Heute kommen die Mädchen und Jungen nach Silbitz – 17.05.2014

U11m+w, U13m+w, U15w

Heute kommen die Mädchen und Jungen nach Silbitz – 17.05.2014

Dieses Auftaktrennen bei der 12. Ostthüringen Tour gestern Nachmittag in Gera hatte sich der 1,30 Meter kleine Lance Merker aus Bad Klosterlausnitz ganz anders vorgestellt.

Er wollte aufs Podest fahren. “Der dritte Platz, das wäre schön. Oder auch der zweite, oder vielleicht der erste”, hatte der Steppke Minuten vor dem Rundstreckenrennen gesagt.

Es kam ganz anders. Lance hatte sich mit seinem Rad ganz außen in die erste Startreihe aufgestellt. Als der Startschuss erfolgte, klappte fast nichts mehr. Er rollte zwar die ersten Meter mit, doch der rechte Schuh wollte einfach nicht in die Pedale klicken.

Lance verlor nicht nur Meter um Meter auf die ersten Fahrer, sondern auch viele Sekunden. Nach knapp 100 Metern hatte er seine richtige Haltung auf dem Rennrad gefunden. Der Traum vom Podestplatz war da schon längst geplatzt. Die Führenden waren schon enteilt. Über vier Runden ging das Rennen. Lance belegte Rang am Ende Platz 13 von 16.

Seine Trainerin Melanie Lenk vom SSV Gera nahm es gelassen. Insgeheim liebäugelte sie schon mit dem weißen Trikot für den besten Fahrer des jüngeren Jahrgangs in der U11. Das klappte gestern noch nicht. “Der Start gehört nun einmal zu einem Rennen dazu. Es ist aber nicht schlimm. Lance war sicher auch sehr aufgeregt. Er ist so ehrgeizig und er hat so viel Spaß in der Gruppe, da mache ich mir überhaupt keine Gedanken, dass der Lance jetzt verzagt”, sagte seine Trainerin.

Regine Tirpitz, die Mutter vom kleinen Lance, fieberte aus den Zuschauerrängen mit. Sie stand auf Höhe des Start-Ziel-Bereichs. “Es sollte halt nicht sein. Nach dem Rennen hat er mir auch gesagt, dass er mit dem Schalten in die verschiedenen Gänge seine Probleme hatte. Das ist aber nicht so schlimm. Das lernt er schon noch.”

Seit gerade knapp einem halben Jahr sitzt Lance im Rennsattel. Der Schüler der dritten Klasse der Staatlichen Grundschule 1 “In der Waldsiedlung” besuchte erst die Arbeitsgemeinschaft Radsport in Hermsdorf. Sein dortiger Trainer Lucas Schädlich, ein ehemalige Radprofi und jetzt erfolgreicher Nachwuchstrainer in der U13 in Gera, sah sofort das Talent und förderte es.

“Der Lance hat die Fähigkeit, im Training und auch im Wettkampf schnell und oft richtig auf bestimmte Situationen zu reagieren. Das ist eine Gabe, die nicht viele Sportler haben. Anderen Sportlern muss man das erst antrainieren”, sagte Schädlich.

Seit Januar gehört er zum SSV Gera. Bis zu dreimal die Woche wird er von Bad Klosterlausnitz aus nach Gera zum Training gefahren. Lance ist zwar erst neun, er hat sich aber schon in einigen Sportarten ausprobiert, erst in der Leichtathletik, dann im Fußball, auch beim Karate war er dabei. So richtig glücklich geworden, ist er bisher noch nie. Im Radsport scheint alles anders zu sein. Möglicherweise liegt es ja doch an seinen Vornamen.

Er verpflichtet eigentlich, dass aus dem ehrgeizigen Lance Merker aus Bad Klosterlausnitz mal ein ganz großer und vor allem berühmter Radsportler wird. “Ich muss gestehen, ich war großer Fan von Lance Armstrong. Seine Lebensgeschichte, sein Kampf mit der Krankheit Krebs hat mich immer sehr bewegt. Lance war einfach ein schöner Name. Und es gab damals nicht so viele Kinder, die Lance heißen. Deshalb haben wir uns für diesen Namen entschieden. Dass er jetzt Radsportler ist, ist wirklich Zufall. Wir werden ihn aber zu nichts drängen. Der Sport soll ihm gefallen, soll ihm Spaß machen. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit dem Radsport etwas Längerfristiges wird”, sagte Vater Enrico Merker.

Als Motivation für seinen Sohn will sich sein Vater bald ein Rennrad kaufen, um mit ihm die eine oder andere Radtour außerhalb des Trainings zu unternehmen.

Die ersten Ergebnisse mit vorderen Plätzen von Lance Merker als Radsportler hinterlassen ihre Spuren. Sogar die Schulleiterin der Grundschule Frau Lieder gehört schon zu den Lance-Merker-Fans. Sie soll sehr aufmerksam jeden Artikel vom Jungen aus Bad Klosterlausnitz lesen.

Das Sportjahr 2014 ist für Lance ein Übergangsjahr, ein Jahr zum Lernen. 2015 gehört er in der U11 zu den älteren. Da sind seine jetzigen, meist viel älteren Kontrahenten in die nächste Altersklasse, in die U13, hoch gestiegen.

Ein Rennen später startete gestern Leonie Plötner (10) aus Schleifreisen bei den Mädchen der U11. Leonie besucht die Friedensschule in Hermsdorf. Und Leonie, die vom ersten Tag an in der Arbeitsgemeinschaft in Hermsdorf dabei war, überraschte alle mit ihren achten Platz unter 23 Fahrerinnen. “Leonie hat das richtig toll gemacht. Sie darf stolz sein auf die gute Platzierung”, sagte Melanie Lenk.

Heute geht die Ostthüringen Tour in Silbitz für Lance und Leonie weiter mit einem Geschicklichkeitsfahren (ab 9 Uhr) und einem Rundstreckenrennen.